
Otto Wallburg (1889–1944)

Ein Kabarett-Star und Charakterdarsteller der Weimarer Republik
Otto Wallburg, geboren 1889 in Berlin, war eine der prominentesten und schnellstsprechenden Komikerfiguren des deutschen Vorkriegsfilms und Kabaretts.
Künstlerischer Werdegang:
Nach seiner Ausbildung an der Schauspielschule von Max Reinhardt begann Wallburg seine Karriere am Theater, wechselte jedoch in den 1920er Jahren erfolgreich ins Kabarett. Er war bekannt für seine unverwechselbare, überstürzte Sprechweise, die ihm den Spitznamen "der Blubberer" einbrachte.
Mit dem Aufkommen des Tonfilms wurde Wallburg schnell zu einem gefragten Charakterdarsteller in Komödien und Revuen. Er spielte größere Rollen in bedeutenden Produktionen der frühen 1930er Jahre wie Hokuspokus (1930), Der Kongreß tanzt (1931) und Kind, ich freu’ mich auf Dein Kommen (1933).
Verfolgung und Emigration:
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 verlor der jüdische Künstler Otto Wallburg seine Engagements bei der Ufa und am Theater. Er emigrierte zunächst nach Österreich und setzte seine Filmarbeit dort kurzzeitig fort. Nach dem "Anschluss" Österreichs floh er weiter nach Amsterdam, wo er im jüdischen Kabarett aktiv blieb (u.a. mit Kurt Gerron und Rudolf Nelson).
Trotz Bemühungen gelang ihm die Flucht in die USA nicht mehr. Nach seiner Verhaftung wurde Otto Wallburg über das Lager Westerbork nach Theresienstadt deportiert und am 30. Oktober 1944 im KZ Auschwitz ermordet. Sein Schicksal steht exemplarisch für den unermesslichen Verlust, den die deutsche Film- und Theaterwelt durch die Verfolgung jüdischer Künstler erlitt.
Brigitte Helm (1908–1996)

Die Ikone des frühen deutschen Films
Brigitte Helm war eine deutsche Filmschauspielerin, die vor allem durch ihren bahnbrechenden Auftritt im Stummfilm bekannt wurde.
Durchbruch und Karriere:
Ihre Karriere begann spektakulär: Im Alter von nur 17 Jahren spielte sie 1927 in Fritz Langs Metropolis die Doppelrolle der Maria und des Maschinenmenschen. Diese Rolle machte sie weltweit bekannt und gilt als eine der ikonischsten Figuren der Filmgeschichte.
Nach dieser Ausbildung bei der UFA schloss Brigitte Helm einen Zehnjahresvertrag ab und spielte fast ausschließlich Hauptrollen. Obwohl sie häufig auf den Typ der Femme fatale festgelegt werden sollte, klagte sie erfolgreich auf die Möglichkeit, auch andere Rollen anzunehmen. Mit dem Übergang zum Tonfilm drehte sie erfolgreich auch internationale Versionen ihrer deutschen Filme. Ihr letzter Film war Ein idealer Gatte im Jahr 1935.
Rückzug und Haltung:
Trotz ihres großen Erfolges und weiterer Angebote durch die UFA entschied sich Brigitte Helm, das Filmgeschäft frühzeitig zu beenden. Ausschlaggebend waren Meinungsverschiedenheiten mit dem nationalsozialistischen Regime.
Renate Müller (1906–1937)

Der Publikumsliebling und das tragische Schicksal im frühen Tonfilm
Renate Müller war eine der populärsten deutschen Schauspielerinnen und Sängerinnen der Weimarer Republik und der frühen NS-Zeit. Sie prägte das Bild des "sauberen jungen Mädchens" im Film und trat damit in Kontrast zu den Femmes fatales der Stummfilm-Ära.
Karrierehöhepunkt im Tonfilm:
Ihre Schauspielausbildung absolvierte Renate Müller an der Max-Reinhardt-Schule. Zunächst in Stummfilmen entdeckt, entfaltete sich ihr Talent vollends mit dem Aufkommen des Tonfilms. Ihre gesanglich ausgebildete Stimme machte sie zum Markenzeichen des deutschen Kinos.
Sie feierte riesige Erfolge mit Filmen wie Liebling der Götter (1930), dem Kassenschlager Die Privatsekretärin (1931), dessen Titelschlager sie sang, Viktor und Viktoria (1933) und Allotria (1936).
Konflikt mit dem NS-Regime:
Trotz ihrer Popularität geriet Renate Müller zunehmend in Konflikt mit dem nationalsozialistischen Regime. Ihre künstlerische Arbeit wurde behindert, insbesondere aufgrund ihrer Weigerung, sich dem Propagandaministerium unterzuordnen, und ihrer Beziehung zu dem jüdischen Bankierssohn Georg Deutsch.
Obwohl sie 1936 zur Mitwirkung im Propagandafilm Togger gezwungen wurde, stand sie unter ständiger Beobachtung durch die Gestapo. Ihr Leben war von Krankheit (Epilepsie) und Abhängigkeit geprägt.
Ungeklärter Tod und Enteignung:
Renate Müller verstarb im Oktober 1937 in einer Berliner Klinik, kurz nachdem sie aus dem ersten Stock ihrer Villa gestürzt war. Die genauen Umstände ihres Todes – ob Unfall, Suizid oder Fremdeinwirkung durch das Regime – blieben ungeklärt.
Ihr tragisches Ende wurde vom Regime begleitet, das Schauspielkollegen die Teilnahme an der Trauerfeier untersagte und trotz lebender Angehöriger ihren gesamten Besitz enteignete und versteigerte. Renate Müllers Schicksal ist ein dunkles Zeugnis für die psychische und physische Zerstörung, die das NS-System über Künstler brachte, die nicht kooperierten.
Joachim Gottschalk (1904–1941)

Der Filmstar, der seine Liebe über die Karriere stellte
Joachim Gottschalk, geboren 1904 in Calau, war in der späten Weimarer Republik und den ersten Kriegsjahren einer der populärsten und erfolgreichsten deutschen Schauspieler an Bühne und Film.
Karrierehöhepunkt:
Nach seiner Ausbildung und frühen Engagements in Stuttgart und Frankfurt am Main etablierte sich Gottschalk ab 1938 an der Volksbühne Berlin. Sein Erfolg dort führte schnell zur UFA, wo er eine bemerkenswerte Filmlaufbahn startete.
Er spielte Hauptrollen in großen Produktionen wie Du und ich (1938) an der Seite von Brigitte Horney und im Kriegskassenschlager Ein Leben lang (1940) mit Paula Wessely. Seine künstlerisch anspruchsvollen Rollen machten ihn im In- und Ausland zum "wohl populärsten deutschen Schauspieler" seiner Zeit.
Das Schicksal als "jüdisch Versippter":
Gottschalk war mit der jüdischen Schauspielerin Meta Wolff verheiratet, mit der er einen Sohn, Michael, hatte. Obwohl er selbst "Arier" war, galt er unter dem NS-Regime als "jüdisch Versippter". Seine Frau erhielt Berufsverbot und lebte zurückgezogen.
Der immense künstlerische Erfolg Gottschalks geriet in direkten Konflikt mit den rassistischen Gesetzen. Trotz wachsenden Drucks des Propagandaministeriums (u.a. von Hans Hinkel), sich scheiden zu lassen, weigerte sich Gottschalk konsequent.
Der Freitod:
Als seine Frau und sein Sohn 1941 die Deportation in das KZ Theresienstadt drohte, sah Gottschalk keinen Ausweg mehr. Um der Zerstörung seiner Familie durch das Regime zuvorzukommen, wählten Joachim und Meta Gottschalk am 6. November 1941 in ihrer Wohnung in Berlin-Grunewald den gemeinsamen Freitod zusammen mit ihrem Sohn Michael.
Propagandaminister Goebbels versuchte, jeglichen öffentlichen Nachruf zu verbieten. Dennoch erwiesen ihm Kollegen wie Brigitte Horney bei der Beerdigung die letzte Ehre. Das Schicksal der Familie Gottschalk gilt als eines der tragischsten Beispiele für den moralischen Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur und den kulturellen Verlust jener Jahre.
Nachwirkung:
An Gottschalks Schicksal erinnert heute der DEFA-Film Ehe im Schatten (1947) von Kurt Maetzig. Die Grabstätte der Familie auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf ist als Ehrengrab des Landes Berlin gewidmet.
Lilian Harvey (1906–1968)

Das "süßeste Mädel der Welt" und Star des europäischen Musikfilms
Lilian Harvey war eine britisch-deutsche Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin, die in den frühen 1930er Jahren zu einem der größten Stars des europäischen Kinos avancierte.
Durchbruch und Leinwandpaar:
Nachdem sie in Berlin Ballettunterricht genommen hatte, begann Harveys rasche Karriere im Film ab 1924. Der entscheidende Durchbruch gelang ihr mit dem Aufkommen des Tonfilms. Sie bildete mit Willy Fritsch das berühmteste Leinwandpaar der deutschen Filmgeschichte und drehte insgesamt zwölf Filme mit ihm.
Zu ihren größten Erfolgen zählen die Musikfilme Die Drei von der Tankstelle (1930) und insbesondere Der Kongreß tanzt (1931), in dem sie das bis heute bekannte "Das gibt’s nur einmal" sang. Ihre Popularität führte zu einem kurzen Engagement in Hollywood.
Konflikt und Emigration:
Obwohl Lilian Harvey 1935 in das nationalsozialistische Deutschland zurückkehrte und dort weiterhin Erfolge feierte, geriet sie schnell in Konflikt mit dem Regime. Sie wurde von der Gestapo überwacht, da sie jüdische Kollegen und Freunde weiterhin in ihrem Haus empfing.
Diese Haltung führte dazu, dass sie 1939 Deutschland verließ und nach Juan-les-Pins in Frankreich emigrierte. Nach der Besetzung Südfrankreichs entzog das NS-Regime ihr 1943 die deutsche Staatsbürgerschaft.
Späteres Leben und Vermächtnis:
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte Harvey ihre Karriere mit Theaterrollen und Gesangstourneen fort. Ihr früher Abschied vom deutschen Film belegt die Schwierigkeiten und den moralischen Druck, dem selbst die populärsten Stars ausgesetzt waren. Lilian Harvey verstarb 1968 in Frankreich.
Leni Riefenstahl (1902–2003)

Die umstrittenste Persönlichkeit der Filmgeschichte
Leni Riefenstahl war eine herausragende deutsche Filmemacherin, Regisseurin, Schauspielerin und Fotografin, die aufgrund ihrer ästhetisch innovativen, aber ideologisch belasteten Werke eine der umstrittensten Figuren der Filmgeschichte ist.
Karriere und Ästhetische Innovation:
Riefenstahl begann ihre Karriere in den 1920er Jahren als Tänzerin und Schauspielerin, bekannt wurde sie im Bergfilm-Genre (u.a. Der heilige Berg, 1926). Mit ihrem Regiedebüt Das blaue Licht (1932) erregte sie die Aufmerksamkeit führender NSDAP-Politiker.
Sie gilt als eine innovative Filmemacherin und kreative Ästhetin, die den Dokumentarfilm revolutionierte. Ihre Arbeiten wurden mehrfach international ausgezeichnet.
Im Dienst der NS-Propaganda:
Nach 1933 stellte Riefenstahl ihr Talent in den Dienst des Nationalsozialismus und erhielt den Auftrag für die sogenannte "Reichsparteitagstrilogie":
- Triumph des Willens (1935): Dieses propagandistische Meisterwerk über den Nürnberger Parteitag setzte neue Maßstäbe in Montage und Kameraführung und wurde zu einem der wichtigsten Propagandamittel der Nationalsozialisten.
- Olympia (1938): Die zweiteilige Dokumentation über die Olympischen Spiele 1936 wurde für ihre visuelle Perfektion gelobt, aber auch scharf für ihre propagandistischen und ideologischen Elemente kritisiert.
Nachkriegszeit und Vermächtnis:
Obwohl Riefenstahl nach Kriegsende lediglich als "Mitläuferin" eingestuft wurde, erschwerte ihre enge Verstrickung mit dem Regime ihre weitere Karriere. Sie beendete ihr Filmschaffen nach Tiefland (1954) für Jahrzehnte. Ab den 1960er Jahren arbeitete sie erfolgreich als Fotografin (Nuba-Reportagen, Unterwasseraufnahmen), wobei Kritiker auch hier Parallelen zur Ästhetik ihrer früheren Werke sahen.
Leni Riefenstahls Werk ist ein zentrales Studienobjekt für die Ästhetik der Macht und die komplexe Verantwortung von Kunst und Künstlern gegenüber totalitären Systemen.
Magda Schneider (1909–1996)

Die Schauspielerin
Magda Schneider war eine populäre deutsche Schauspielerin der 1930er bis 1950er Jahre. Bekannt für ihre Rollen als charmante Soubrette, wurde sie durch den Tonfilm zu einem Publikumsliebling, dessen Lieder oft zu Evergreens avancierten.
Karriere im Film und Musik:
Nach einer Gesangs- und Ballettausbildung in Augsburg wurde Magda Schneider 1930 für den Film entdeckt. Sie verkörperte oft liebenswerte, junge Frauen und spielte in populären Filmen wie Kind, ich freu’ mich auf dein Kommen (1933). Während der Zeit des Nationalsozialismus stand sie auf der sogenannten "Gottbegnadeten-Liste".
Nach dem Zweiten Weltkrieg knüpfte sie in den 1950er Jahren an ihren früheren Erfolg an. Ihr Name ist untrennbar mit der Karriere ihrer Tochter verbunden: Romy Schneider. Gemeinsam standen sie in mehreren erfolgreichen Filmen vor der Kamera, darunter Wenn der weiße Flieder wieder blüht sowie die drei Sissi-Filme, in denen Magda Schneider die Mutter, Herzogin Ludovika, verkörperte.
Verflechtungen:
Magda Schneider war von 1937 bis 1945 mit dem österreichischen Schauspieler Wolf Albach-Retty verheiratet und lebte bis zu ihrem Tod in Schönau am Königssee.
Ihre biografische Nähe zu führenden NS-Funktionären und die Art, wie sie die Karriere ihrer Tochter Romy Schneider in den 1950er Jahren begleitete, macht Magda Schneider zu einer komplexen und oft diskutierten Figur der deutschen Filmgeschichte. Im Jahr 1982 wurde sie für ihr Lebenswerk mit dem Filmband in Gold ausgezeichnet.
Wolf Albach-Retty (1906–1967)

Der österreichische Filmstar und Protagonist des Unterhaltungsfilms
Wolf Albach-Retty war ein populärer österreichischer Schauspieler, der in den 1930er und 1940er Jahren zu den Stars des deutschsprachigen Unterhaltungsfilms gehörte.
Karriere und Rollenbild:
Nach einer Ausbildung an der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien debütierte Albach-Retty bereits mit 20 Jahren am Burgtheater. Schon früh fand er den Weg zum Film und war vor allem in Liebes- und Musikfilmen erfolgreich.
Seine Karriere florierte während der Zeit des Nationalsozialismus, in der er 1940 der NSDAP beitrat. Seine Popularität sicherte ihm einen Platz auf der "Gottbegnadeten-Liste" (1944), wodurch er von Kriegsdienstverpflichtungen freigestellt wurde.
Nachkriegszeit und Vermächtnis:
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte er nicht mehr an seine früheren Erfolge anknüpfen, war aber weiterhin in wichtigen Nebenrollen und Heimatfilmen wie Immer die Radfahrer zu sehen.
Wolf Albach-Retty ist heute vor allem durch seine familiären Verbindungen bekannt:
- Er war in erster Ehe (1937–1945) mit der Schauspielerin Magda Schneider
- Er ist der Vater der weltberühmten Schauspielerin Romy Schneider (Rosemarie Albach-Retty).
Gegen Ende seines Lebens spielte er auf Betreiben seiner Tochter eine kleine Rolle in Der Kardinal, was Vater und Tochter einen seltenen gemeinsamen Auftritt vor der Kamera ermöglichte. Wolf Albach-Retty starb 1967 in Wien.
Romy Schneider (1938–1982)

Vom "Sissi"-Märchen zur Grande Dame des europäischen Films
Romy Schneider war eine deutsch-französische Schauspielerin, die eine der bemerkenswertesten Karrieren der europäischen Filmgeschichte hinlegte – vom süßen Teenager-Idol bis zur hochgelobten Charakterdarstellerin.
Der Durchbruch und der Bruch:
Romy Schneider begann ihre Karriere bereits mit 15 Jahren und erlangte internationalen Ruhm durch die Rolle der jungen Kaiserin Elisabeth in der "Sissi"-Trilogie (1955–1957) an der Seite von Karlheinz Böhm.
Auf der Suche nach künstlerisch anspruchsvolleren Rollen vollzog sie 1958 einen radikalen Bruch mit diesem Image und zog nach Paris. Dort schaffte sie unter der Regie von Luchino Visconti und an der Seite von Alain Delon (ihrem späteren Verlobten) den Sprung auf die Theaterbühne und ins anspruchsvolle europäische Kino.
Künstlerischer Höhepunkt in Frankreich:
In den 1960er und 1970er Jahren avancierte Romy Schneider zur erfolgreichsten Schauspielerin des französischen Films (Grande Dame du cinéma français). Sie arbeitete mit bedeutenden Regisseuren wie Orson Welles, Claude Sautet und Andrzej Żuławski zusammen.
Für ihre intensiven Charakterrollen in Filmen wie Nachtblende (1975) und Eine einfache Geschichte (1978) wurde sie jeweils mit dem César als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Mit Sautet drehte sie insgesamt fünf Filme und definierte einen modernen, unabhängigen Frauentyp auf der Leinwand.
Tragisches Ende:
Trotz ihres künstlerischen Triumphes war Romy Schneiders Privatleben von persönlichen Schicksalsschlägen überschattet, darunter der Tod ihres Sohnes David im Jahr 1981. Ihr letzter Film war Die Spaziergängerin von Sans-Souci (1982). Sie starb im Mai 1982 im Alter von 43 Jahren in Paris. Romy Schneider bleibt eine der unvergesslichsten Ikonen des deutsch-französischen Films.
Heinz Rühmann (1902–1994)

Der beliebteste deutsche Schauspieler des 20. Jahrhunderts
Heinz Rühmann war ein deutscher Schauspieler, Regisseur und Sänger, der über sechs Jahrzehnte lang zu den populärsten und bestbezahlten Stars des deutschsprachigen Films zählte.
Frühe Karriere und Durchbruch
Rühmann begann seine Karriere am Theater und etablierte sich als Darsteller des komödiantischen Durchschnittstyps, oft in Rollen, die seine geringe Körpergröße und jungenhafte Ausstrahlung nutzten. Sein Durchbruch im Tonfilm gelang ihm 1930 mit der Rolle des "Hans" in der Musikkomödie Die Drei von der Tankstelle.
Die NS-Zeit und der populäre Star
Während der Zeit des Nationalsozialismus stieg Rühmann zum beliebtesten Filmschauspieler auf. Er spielte vorwiegend in Unterhaltungsfilmen, die der Propagandaminister Joseph Goebbels als Mittel zur subtilen Ablenkung des Publikums förderte.
Seine bekannteste Rolle aus dieser Ära ist Hans Pfeiffer in der Kultkomödie Die Feuerzangenbowle (1944). Trotz der Kontroversen um seine guten Kontakte zu NS-Größen wie Goebbels und Hermann Göring, die seine Karriere und auch das Schicksal seiner jüdischen Ex-Frau Maria Bernheim beeinflussten, wurde er vom Publikum nicht primär als politisches Aushängeschild wahrgenommen. Er stand auf der "Gottbegnadeten-Liste" und war vom Kriegseinsatz verschont.
Nachkriegs-Comeback und Charakterrollen
Nach einem anfänglichen Auftrittsverbot in der Entnazifizierungszeit gelang Rühmann in den 1950er Jahren ein erfolgreiches Comeback als Charakterdarsteller, unterstützt durch Regisseur Helmut Käutner.
Seinen letzten Filmauftritt hatte er 1993 in Wim Wenders’ In weiter Ferne, so nah!. Im Jahr 1995 wurde Heinz Rühmann posthum die Goldene Kamera als Größtem deutschen Schauspieler des Jahrhunderts verliehen.
Käthe von Nagy (1904–1973)

Die ungarische Schauspielerin mit internationaler Ausstrahlung
Käthe von Nagy war eine ungarische Schauspielerin, die in den 1930er Jahren zu den Stars des deutschsprachigen Kinos gehörte und sich durch ihr kesses Temperament und ihre aparte, etwas exotische Erscheinung von ihren Kolleginnen abhob.
Karriere-Höhepunkte:
Von Nagy begann ihre Laufbahn mit dem Wunsch, Schriftstellerin zu werden, fand aber schnell den Weg zur Schauspielerei in Berlin.
● Stumm- und Tonfilm: Ihr Durchbruch gelang ihr an der Wende vom Stumm- zum Tonfilm. In den frühen 1930er Jahren stand sie für die Ufa vor der Kamera und spielte in beliebten Komödien und Liebesfilmen.
● Wichtige Partner: Sie war oft die Partnerin von Top-Stars wie Willy Fritsch (Ihre Hoheit befiehlt, Ich bei Tag und Du bei Nacht) und Hans Albers (Der Sieger). Sie drehte auch mit Heinz Rühmann (Meine Frau, die Hochstaplerin).
● Internationale Arbeit: Da sie fließend Französisch sprach und seit Mitte der 1930er Jahre in Paris lebte, wirkte sie parallel zu ihrer deutschen Karriere regelmäßig in französischen und italienischen Produktionen mit.
Spätere Laufbahn:
Ab 1939 konzentrierte sich Käthe von Nagy, die in Deutschland zwar einen Auftritt im antisowjetischen Propagandafilm Flüchtlinge hatte, ihre Arbeit vollständig auf Frankreich und beendete damit ihre Karriere im deutschen Film fast vollständig. Sie starb 1973 in Los Angeles.
Christiane König (1932–2024 )

Die Schauspielerin und Tänzerin Christiane König (1932–2024, bürgerlich Siglinde König) war eine markante Persönlichkeit des deutschen Nachkriegsfilms und Theaters. Nachdem sie ihre Karriere als Tänzerin (u. a. am Stadttheater Aachen) begann, riet ihr Gustaf Gründgens am Schauspielhaus Hamburg zum Schauspielunterricht.
Sie erlangte schnell Bekanntheit durch ihre Rollen in Filmen wie Tanz in der Sonne, der Märchenverfilmung Der Froschkönig und besonders als ältere Schwester der Hauptdarstellerinnen in dem erfolgreichen Film Die Mädels vom Immenhof (1955). Christiane König trat bis 1960 in Filmen wie Das kunstseidene Mädchen und an der Seite von Peter Alexander auf, bevor sie ihre Karriere nach ihrer Heirat beendete und nach Ibiza bzw. später nach Mallorca zog. Erst 2016 kehrte sie für einen Kurzfilm vor die Kamera zurück.
Wir bedanken uns sehr herzlich bei Michael Müller, einem guten Freund von Christiane König, der unserem Museum am 7. Dezember 2025 während seines Besuchs eine Reihe von Objekten aus der Hinterlassenschaft der Schauspielerin übergeben hat.
Diese Schenkung ist für unsere Arbeit von unschätzbarem Wert. Wir freuen uns schon jetzt darauf, die neuen Exponate in unserer für das Jahr 2027 geplanten Ausstellung zum Deutschen Nachkriegsfilm zu präsentieren.
